Yehudi Menuhin (22.4.1916 – 12.3.1999)
WUNDERKIND UND GENIALER KÜNSTLER
Der unvergleichliche Geiger, in seiner Kindheit als Wunderkind und im zweiten Teil seines Lebens als Dirigent gefeiert, konnte auf eine beispiellose musikalische Karriere zurückblicken.
Im Alter von sieben Jahren begann diese Karriere, die ihn auf alle Musikbühnen der Welt führte. Er kombinierte seine grandiose instrumentale Technik mit einem aussergewöhnlichen Musikverständnis. Sein breites Repertoire reichte weit über die grossen Klassiker hinaus: Er war sein Leben lang ein neugieriger Musiker, der z.B. mit dem grossen Jazzgeiger Stéphane Grappelli improvisierte. Er liebte es, sich mit allen Arten von Musik zu beschäftigen. Seine Faszination für verschiedene Kulturen veranlasste ihn, u.a. mit Ravi Shankar indische Musik zu spielen. Er hatte aber auch gleichzeitig grosse Freude, mit Roma-Freunden die Faszination von Zigeunermusik zu erleben, deren Anliegen er besonders verteidigte, und betonte immer wieder, dass die Suche nach Schönheit und das Teilen im gemeinsamen Musizieren universelle Werte seien.
«Musik ist wirklich der Ausdruck des Lebens, Es ist die Sublimierung aller guten und schlechten Gefühle, die uns sonst gefangen halten würden.»
YEHUDI MENUHIN, EIN VISIONÄR UND HUMANIST
Zeit seines Lebens beschäftigte sich Yehudi Menuhin mit den grossen Themen des 20. Jahrhunderts: Er setzte sich ebenso sensibel für Bildung wie auch für die Rechte von Minderheiten ein und legte grossen Wert darauf, seine Visionen in die Tat umzusetzen. Während seiner gesamten Karriere als Musiker verteidigte er unermüdlich die Schwächsten, was ihm zahlreiche Auszeichnungen und Tiel einbrachte, darunter den Weltfriedenspreis im Jahr 1979. «Denen eine Stimme geben, die keine haben», lautete die Devise. Sie wurde zu einem Leitthema seines Lebens.
«Es gibt überall Verletzungen. Man muss wissen, wie man seine eigenen vergisst und versucht, die universellen Wunden zu heilen.»
YEHUDI MENUHIN UND DIE MENSCHENBILDUNG
1991 begründete er in Brüssel die International Yehudi Menuhin Foundation (IYMF), um seine zahlreichen humanistischen Visionen zu realisieren (www.menuhin-foundation.com). U.a. entstand 1993 das von der IYMF international koordinierte künstlerisch-soziale ® MUS-E Programm, welches heute in 13 Ländern aktiv ist und bereits mehr als 1,5 Mio. Kinder erreichte. Da ihm die Bildung im Allgemeinen und die musikalische Ausbildung im Besonderen am Herzen lag, gründete er u.a. die Yehudi Menuhin School oder die Yehudi Menuhin-Stiftung Grenchen, die der musikalischen Bildung junger Menschen in Grenchen und Umgebung verpflichtet ist.
«Beim Unterrichten geht es nicht darum, einen leeren Sack mit Wissen zu füllen. Die Tasche ist nie leer. Es hat bereits ein eigenens Leben. Und lehren bedeutet, unsere Wissen weiterzugeben, damit die Person, die die Tasche trägt, das Leben auf eine reichere, vielfältigere und zivilisiertere Weise geniessen kann.»
MENUHIN UND DIE POLITIK
«Nur die Ausübung der Kunst, unserer Sinne und der Vielfalt der Kulturen Europas ist in der Lage, wahren Respekt vor anderen und den Wunsch nach Frieden zu wecken, der es uns ermöglicht, sowohl unsere eigenen als auch die kollektiven Errungenschaften zu verwirklichen mit allen, die unsere Verantwortung gegenüber dieser leidenden Erde teilen. Nur mit einer kreativen Erziehung, die keine Begabung des Kindes unterdrückt, sondern es im Gegenteil zivilisiert, können wir gemeinsam eine Gesellschaft schaffen, die seine Gewalt beherrscht und absorbiert. Es ist die Kunst, die die Persönlichkeit junger Bürger und Bürgerinnen im Sinne von Aufgeschlossenheit, Respekt für andere und dem Wunsch nach Frieden strukturieren kann. Es ist die Kultur, die es jedem ermöglicht, in der Vergangenheit neue Energie zu tanken und an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken. Sie allein wird uns durch die Vereinigung der Vielfalt ein wahres europäisches Bewusstsein bieten. Denn es ist das Aufblühen der kulturellen Vielfalt, die Europa seinen ganzen Glanz verleiht…»
(Auszug aus Yehudi Menuhins Brief an den Europäischen Rat vom 17. Februar 2000).
Zitate: © IYMF
Yehudi Menuhin BBC documentary
