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Monday, November 20 2017 @ 08:30 AM W. Europe Standard Time

Im Dornröschenschlaf: Stipendiaten stellen in Zug aus

AusstellungIn einer Sonderausstellung im neuen Zuger Kunsthaus können die diesjährigen 23 Stipendiaten des Eidgenössischen Kunststipendiums (vgl. unten) ihre Arbeiten zeigen. Noch immer scheint die junge Schweizer Kunstszene in der Stagnation des Dornröschenschlafs zu verharren.

Als momentaner Wegweiser durch die zeitgenössische Schweizer Kunst könnten ohne weiteres die beiden mannshohen Plastik-Indianer in Knallrot und Leuchtendblau von Stefan Hablützel dienen, die mit erhobener Streitaxt (gegen wen, die Kunst oder die Kritiker?) halb angreifend, halb ratlos verteidigend sich vor dem Betrachter aufbauen: Mehr Kaufhaus-Spielzeug und Nachahmung aus früheren Jahren denn Vermittlung eines neuen künstlerischen Ausdrucks.

Ratlosigkeit
Überhaupt stellt sich eine gewisse Ratlosigkeit ein angesichts des hier präsentierten Querschnitts durch das schweizerische Kunstschaffen, wenn Ideenreichtum, Spannung, Aufmüpfigkeit und vibrierendes Empfinden durch Orientierungslosigkeit, altbackene Schulmässigkeit und vorallem durch vermehrtes Zurückgreifen auf Vorhandenes, Altbewährtes ersetzt wird. Da lassen sich Tendenzen nicht mal mehr erahnen, sondern diese Werkschau hinterlässt das leicht verschwommene Gefühl, alles irgendwann schon mal gesehen zu haben. Somit legt die Eidgenössische Kommission, die als Jury fungiert und aus neun Mitgliedern aus verschiedenen Regionen der Schweiz besteht, wieder verstärktes Gewicht auf die Qualität der Arbeit, wie es ihr Präsident Franz Fedier formulierte.

Frauen in der Minderzahl
Die Malerei als traditionellstes Gebiet ist zahlenmässig wieder am stärksten vertreten, dafür die Plastiker nur schwach und die Grafiker gar nicht. Die Fotografie bietet auch keine Überraschungen, während sich mit den prämierten Architekturmodellen die Grenze zur angewandten Kunst schon verwischt. Auch sind in diesem seit 1899 jährlich durchgeführten Eidgenössischen Stipendienwettbewerb die Frauen eindeutig in der Minderheit, dafür überwiegen die Deutschschweizer, wobei sich eine dicke Linie von Basel über den Kanton Aargau nach Zürich zieht. Aus der Region um Solothurn hat keiner die Hürde zum Stipendium geschafft, dafür jedoch der auch am Jurasüdfuss bekannte, in Basel lebende Hans-Rudolf Fitze.

Insgesamt 299 Bewerbungen
Für den in zwei Etappen durchgeführten Wettbewerb, an dem Schweizerinnen und Schweizer bis zum 40. Lebensjahr teilnehmen dürfen, haben dieses Jahr 299 ihr Dossier für die erste Runde eingereicht (1989: 311). 80 Teilnehmer/innen erreichten dann die zweite Runde (1989: 74), unter denen die Stipendien zwischen 12 000 und 16 000 Fr. verteilt wurden. 23 Kunstschaffende erhielten die Höchstsumme von jeweils 16 000 Fr. und konnten zusammen mit allen Teilnehmern der zweiten Runde ihre Arbeiten in einer gemeinsamen Ausstellung in Montreux der Öffentlichkeit präsentieren.

Zusätzliche Ermunterung
Ausserdem wurde jetzt im neuen Zuger Kunsthaus eine Ausstellung eröffnet, die allein den 23 Stipendiaten vorbehalten ist, laut Urs Staub vom Bundesamt für Kultur als zusätzliche Ermunterung und Förderung, damit, wie es der Zuger Konservator Matthias Haldemann formulierte, dank grosszügiger Präsentationsmöglichkeiten eine bessere Auseinandersetzung mit den Arbeiten möglich ist. Für die Künstler schön und gut, für die Betrachter jedoch entzieht sich damit der kritische Vergleich (denn wer fährt schon zu beiden Ausstellungen), so dass die Frage offen bleibt, was wohl die anderen 57 Teilnehmer/innen geboten haben müssen, wenn zu geometrischen Mustern geordnete, farbige Plastik-Sichtmappen im Rahmen oder zwei weisse Leinwandtafeln, die rechts und links von je einem roten beziehungsweise grünen Filzquadrat flankiert werden, mit zu den Spitzenleistungen gehören.

Die StiprendiatInnen
eb. Das Bundesamt für Kultur vergab auf Vorschlag der Kunstkommission 23 Stipendien im Gesamtbetrag von 368 000 Franken. Ausgezeichnet wurden die folgenden Künstler und Künstlerinnen: Urs Aschbach (Basel), Daniel Berset (Genf), Bianchini Alexandre (Collonge-Bellerive), Matthias Bosshart (Fischingen/New York), Hannes Brunner (Zürich), Hans-Rudolf Fitze (Basel), Marcel Biefer und Beat Zgraggen (Zürich), Mathis und Ueli Müller (Basel), Otto Grimm (Möriken), Stefan Hablützel (Trüllikon/ Düsseldorf), Arnold Helbling (Brugg), Simonetta Martini (Mugena), Claudio Moser (Küttigen), Jürg Moser (Zürich), Françoise Samuel (Lausanne), Albrecht Schnider (Hilterfingen), George Steinmann (Bern), Peter Sutter (Appenzell/Düsseldorf), Bernard Voita (Masens/Bruxelles), Peter Wenger (Basel), Stefan Wittmer (Adligenswil), Maria Zgraggen (Schattdorf), Beat Zoderer (Wettingen).

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Im Dornröschenschlaf: Stipendiaten stellen in Zug aus
Autor: Anonymous amSunday, August 20 2017 @ 07:50 AM W. Europe Daylight Time
Toll, weiter so