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Monday, December 11 2017 @ 06:00 PM W. Europe Standard Time

Trommelwirbel und Säbelgerassel: Die Berner befinden sich in Aarberg erneut im Kampf

Nach 1798, 1963 und 1972 befinden sich die Berner in Aarberg erneut im Kampf gegen die Franzosen. 150 Freiwillige versuchen in historischen Kostümen und vor der Originalkulisse, dem pittoresken Marktplatz von Aarberg, mit Trommelwirbel und Säbelgerassel die Zuschauer auf die 1400 Plätze zu bringen. Grund für dieses Kostümfest gibt es, anders als 1972 zur 750-Jahr-Feier der Stadtgründung, heuer keinen, ausser dass die Zuckerfabrik Aarberg ihr 75jähriges Bestehen feiert, und deshalb die erneute Aufführung initiiert und durch den Aufkauf einer ganzen Aufführung auch finanziell unterstützt. Das Budget beläuft sich auf 100000 Franken. Nebenbei fällt natürlich auch noch etwas für die Fremdenverkehrswerbung von Aarberg und seiner reizvollen Umgebung ab.
Der historische Roman des Aarberger Ehrenbürgers und Politikers Hans Müller dient als Vorlage, Ernst Flückiger inszeniert die Bearbeitung von R. Joho jetzt schon zum drittenmal, immer noch originalgetreu mit nur wenigen dramaturgischen Veränderungen.
Zeitpunkt des Geschehens sind die Märztage von 1798. Der Oberbefehlshaber der bernischen Truppen, General von Erlach, hat in Aarberg sein Hauptquartier aufgeschlagen. Seine Armee ist jedoch wie die Bevölkerung gespalten in Berntreue und Franzosenfreunde.
Während der Kampfverhandlungen und den Disputen in der Bevölkerung kommt die Nachricht von der Niederlage der Berner Truppen. Die Franzosen besetzen nun auch Aarberg. Der französische General entlarvt einen Spion und jagt ihn davon. Es kommt zu einer Versöhnung der Berntreuen mit den Franzosenanhängern. Mit seinem Schlusswort spricht der Landvogt die Hoffnung auf eine bessere Zukunft aus: «D Zuekunft bringt mängi schwäri Ufgab. Aber es isch üsi Pflicht, die Ufgabe uf üsi Art probiere z löse.»
Die 150 Laiendarsteller, unterstützt von den zahlreichen Aarberger Vereinen wie dem Männerchor, Reitverein, Turnverein und andere mehr, sind zum Teil schon zum zweiten- oder drittenmal dabei. Sie gehen mit viel Engagement, leider oft auch zu verkrampft an ihre Sache, so dass der Ablauf leicht hölzern wirkt und an manchen Stellen in Gefahr gerät, ins Tragikomische abzurutschen.
Schlachtgetümmel und spannungsgeladene Aktionen, wie es der Titel verspricht, finden nicht statt. Ernst Flückiger hat bewusst Kampfszenen ausgelassen, ihm ist es ein Anliegen zu zeigen, dass Meinungsverschiedenheiten verbal, das heisst auf intellektueller Ebene ausgetragen werden sollen, und nicht mit Schlägereien. Nur fragt sich, ob so ein traditionsgeladenes Stück mit relativ wenig Handlung, aber um so mehr Disputen, deren Akustik erschwert wird durch Schwierigkeiten im Umgang mit den Mikrophonen, heutzutage seine Ideen an den Zuschauer bringen vermag. Aber um es mit E. Flückiger zu sagen: These und Antithese im Stück, Synthese beim PuLlikum.
Ein besonderes Kompliment gilt den Pferden und ihren Reitern, die ihre Aufgaben mit Bravour bewältigen. Für den Fall, dass die Aarberger des Kämpfens nicht müde werden, ist die nächste und vorläufig letzte Aufführung für 1998 zum 200jährigen Einmarsch der Franzosen geplant. «Berner im Kampf» wird noch am 9., 11., 15. und 16. September gespielt.

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